Julio Le Parc

Julio Le Parc wurde am 23. September 1928 in Mendoza in Argentinien geboren. Seine Familie verfügte nur über sehr begrenzte Geldmittel. Als der Künstler 13 Jahre alt war, zog seine Mutter mit ihm und seinen Brüdern nach Buenos Aires, wo er schließlich die Escuela de Bellas Artes besuchte und unter Lucio Fontana die abstrakte Avantgarde kennenlernte. Während seines Studiums lernte Julio Le Parc Künstler wie Hugo Demarco, Molnar, François Morellet, Francisco Sobrino und Jean-Pierre Yvaral kennen und gründete mit diesen in Paris die berühmte Groupe de Recherche d'Art Visuel, die auch unter dem KürzelGRAV bekannt war und ihre künstlerischen Überzeugungen unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Forschungen zu untermauern versuchte. In Paris arbeitete Julio Le Parc außerdem im Atelier von Victor Vasarely und fand als junger Licht- und Objektkünstler die passende Umgebung, um sich zu schöpferisch zu verwirklichen. Schnell beteiligte er sich an einer Vielzahl von Gruppen- und Soloausstellungen, die seine Arbeit einem wachsenden Publikum bekanntmachten. Zu seinem Pariser Bekanntenkreis zählte ein Zirkel namhafter Künstler, darunter Carlos Cruz-Diez, Morellet, Jesús Rafael Soto und Georges Vantongerloo, außerdem der Galerist Denise René.

Julio Le Parc feierte seinen ersten Ausstellungserfolg 1957 auf der Biennale von São Paolo in Brasilien und etablierte sich in den folgenden acht Jahren als eine feste Größe nicht nur der Pariser Kunstszene. Schon bald erhielt Julio Le Parc Preise und Auszeichnungen für sein Werk; 1966 gewann er den Großen Preis für Malerei auf der Biennale in Venedig. Mitunter erwies er sich als äußerst eigenwillig: 1972 erteilte er einer geplanten Retrospektive seines Werkes im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris eine Absage, nachdem er zur Entscheidungsfindung eine Münze geworfen hatte. Zweimal nahm er an der Documenta in Kassel teil: 1964 gehörte er zur Abteilung Licht und Bewegung, vier Jahre später war er als Einzelkünstler vertreten. Neben seinen künstlerischen Erfolgen engagierte sich Julio Le Parc auch politisch: In seinem energischen Einsatz für die Menschenrechte positionierte er sich deutlich gegen die Diktaturen in seiner lateinamerikanischen Heimat.

Julio Le Parc hat sich auch der 1969 erfolgten Auflösung der von ihm maßgeblich geprägten Groupe de Recherche d'Art Visuelganz der kinetisch-optischen Kunst gewidmet. Das Phänomen der Wahrnehmung der wechselseitigen Beeinflussung von Licht und Bewegung beherrscht und durchzieht sein gesamtes Oeuvre. Nachdem er seine künstlerische Tätigkeit in den 1970er-Jahren reduziert hatte und vorübergehend aus dem Blickfeld von Kritik und Publikum entschwunden war, erlebte sein Werk in den 1990er- und 2000er-Jahren mit dem neu erwachten Interesse am Licht als künstlerischem Medium eine Renaissance. Im Jahr 2004 arbeitete er mit der italienischen Künstlerin Yvonne Argenterio zusammen und schuf eine Serie von Skulpturen. Bis heute gehört sein Werk zu den gefragten Exponaten zahlreicher internationaler Museen und Galerien.

Julio Le Parc lebt und arbeitet in Paris.




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